Einleitung
Unter Einlagen versteht man individuell angefertigte orthopädische Hilfsmittel zur Behandlung von Fußleiden. Der Wirkmechanismus von Einlagen besteht in der Umverteilung des plantaren Drucks, der Ausrichtung des Fußskeletts, der Aktivierung oder Detonisierung der Muskulatur und am wachsenden Skelett der Wachstumslenkung. Der breite Einsatzbereich und die unterschiedlichen Wirkmechanismen verdeutlichen, dass bei der Verschreibung und auch bei der Fertigung von Einlagen verschiedenste Aspekte bedacht werden müssen. Reduziert sich die Anweisung für den Orthopädietechniker auf den Begriff „Einlagenversorgung“, wird deutlich, dass viel Potenzial dieses effektiven und nebenwirkungsarmen Hilfsmittels vergeben wird. Bei kontrakten Fehlstellung die sich bis in die Beinachse fortsetzt ist unter Umständen eine Einlage alleine nicht in der Lage das Krankheitsbild ausreichend zu adressieren. Hier ist im Einzelfall die Kombination mit Innenschuhen, Orthesen oder orthopädischen Maßschuhen zu erwägen.
Gerade in den letzten Jahren konnte durch neue aufwendige Messverfahren der vielschichtige Effekt von Einlagen wissenschaftlich belegt werden. Damit ergibt sich für das Jahrzehnte alte Erfahrungswissen der Orthopädietechniker und Orthopäden zunehmend eine wissenschaftliche Evidenz.
Einlagentypen
Einlagen sind orthopädische Hilfsmittel zur Behandlung von Fußleiden, die durch Veränderungen der statischen oder dynamischen Belastungssituation auftreten. Je nach Indikationsbereich können verschiedene Einlagentypen unterschieden werden.
- Bettende Einlagen
- Stützende Einlagen
- Korrigierende Einlagen
- Sensomotorische Einlagen
Bettende Einlagen
Bettungseinlagen werden in klassischer Weise aus Weichschäumen in Sandwich-Bauweise oder aus Kork-Leder gefertigt. Ziel der Bettungseinlage ist die Umverteilung von Druck im Fuß, wobei erkrankte oder schmerzhafte Bezirke gezielt entlastet werden. Areale mit höherer Belastbarkeit werden dadurch entsprechend mehr belastet.
Die Indikation für Bettungseinlagen besteht bei symptomatischen flexiblen, insbesondere aber bei kontrakten Fußfehlformen, wie dem Plattfuß, dem Ballenhohlfuß, dem neuropathischen Fuß und dem rheumatischen Fuß. Nach Baumgartner und Stinus (2001) besteht weiterhin eine Indikation bei der plantaren Fasciitis, der Sesamoiditis und dem Hallux rigidus. Kennzeichen dieser Fußfehlformen ist eine gestörte Lastverteilung mit dem Risiko von lokaler Gewebsüberlastung.
| Metatarsalgie |
| Atrophie des plantaren Fettpolsters |
| Kontrakter Pes cavus |
| Schmerzhafte plantare knöcherne Prominenzen |
| Diabetisches Fußsyndrom |
| Posttraumatische Fehlstellungen |
Stützende Einlagen
Die Indikation für stützende Einlagen sind Störungen der Rückfußstatik, z.B. beim Pes planovalgus. Ziel dieser Einlagen ist es, den Fuß in einer physiologischen Stellung zu halten und eine orthograde Krafteinleitung in den Rückfuss sicherzustellen. Da die Einlage der belastungsbedingten Verformung des Fußes entgegenwirken soll, sind entsprechend stabile Materialien notwendig. Stützende Einlagen werden typischerweise aus thermoplastisch verformbaren Kunststoffen gefertigt, welche mit Weichschaumbezügen oder Leder versehen werden.
In der klassischen Orthopädieschuhtechnik werden stützende Einlagen meist aus Weichschäumen verschiedener Shorehärte gearbeitet. Im Rückfußbereich wird hierzu ein härterer Schaum verwendet. Teilweise wird auch Kork-Leder mit zusätzlicher Kunststoffverstärkung eingesetzt. Stützende Einlagen haben sich in kurz- oder langsohligen Ausführungen etabliert, je nach Indikationsgebiet. Um einen Halt des Rückfußes zu gewährleisten, besitzen viele stützende Einlagen eine Fersenfassung.
| Metatarsalgiforme Symptomenkomplex |
| Achillodynie |
| Peripatellärer Symptomenkomplex |
| Vorderes Schienbeinkantensyndrom |
| Flexible Fußfehlstellungen bei neurologischen Erkrankungen |
Korrektureinlagen
Die Indikation für Korrektureinlagen ist der wachsende Fuß. Korrigieren lassen sich aber nur Fehlstellungen, welche am unbelasteten Fuß ohne großen Kraftaufwand ausgleichbar sind. Korrektureinlagen werden eingesetzt beim kindlichen Pes planovalgus, im Rahmen der Klumpfuß- und Sichelfußbehandlung, sowie beim kindlichen Spreizfuß. Kennzeichen der Korrektureinlagen sind die an der medialen und lateralen Seite angebrachten Korrekturbacken, welche den Fuß in der gewünschten Stellung halten. Ziel der Verordnung von Korrektureinlagen ist es, neben der sofortigen Stellungskorrektur, auch einen lenkenden Effekt auf das Skelettwachstum auszuüben. Daher sind Korrektureinlagen beim ausgewachsenen Fuß kontraindiziert. Gleiches gilt für den flexiblen kindlichen Plattfuß, der im Zehenstand kompensiert ist. Hierbei handelt es sich um ein physiologisches Stadium der Fußentwicklung die keiner Therapie bedarf. Augenblicklich werden zur Korrektur des kindlichen Fuß immer mehr sensomotorische Einlagen eingesetzt.
| Kindlicher Hohlfuß (Pes cavus), auch abgesenkt |
| Kindlicher Pes valgus |
| Kindlicher Knick-Plattfuß, nicht kompensierbar |
| Kongenitaler Senkfuß / Plattfuß (Pes planus) |
| Pathologische Beinachsenentwicklung im Kindesalter bei Fußdeformitäten |
Sensomotorische Einlagen
Bei sensomotorischen Einlagen erfolgt über eine mediale Anstützung eine Aktivierung des M. tibialis posterior. Dies setzt eine normale Funktion des Muskels und der Sehne voraus und limitiert beispielsweise den Einsatz beim Erwachsenenplattfuß bei Ruptur der Tibialis posterior Sehne.
Zusätzlich zur medialen Abstützung erfolgt über eine laterale Anstützung eine Aktivierung der Peronealmuskulatur. Durch eine retrokapitale Stufe und einen Zehenwulst als Gegendruck für die Zehen 2-5 wird eine Detonisierung des M. gastrocnemius und M. soleus induziert. Durch ein Tieferlegen des ersten Strahles erfolgt eine Pronation des Vorfußes.
Festzuhalten ist, dass alle Einlagen auch eine sensomotorische Wirkung entfalten. Durch neuere Messmethoden wurdenin den letzten Jahren auf der Basis neuromuskulärer Regelkreise für das Jahrzehnte alte Erfahrungswissen der Orthopädietechnik neue Erklärungsmodelle entwickelt 1. In weiten Bereichen wird auch bei sensomotorischen Einlagen auf die klassischen Elemente des Einlagenbaus zurückgegriffen. Kennzeichend sind die umfassenden klinischen Untersuchungen im Vorfeld der Versorgung, sowie meist mehrfachen Nachkontrollen die in vielen Fällen mit einer Nacharbeitung der Einlage einher gehen. Über die dem Verfahren zu Grunde liegenden Wirkmechanismen gibt es bisher erst einige wenige wissenschaftliche Arbeiten. Eine klare Überlegenheit einzelner sensomotorischer Erklärungsmodelle (die meist an ein spezielles, kommerzielles Produkt gekoppelt sind) läßt sich aus der Literatur nicht ableiten. Die klinische Erfahrung macht allerdings eine Wirksamkeit des sensomotorischen Konzepts sehr wahrscheinlich (Bernius 2010).
| Achillodynie |
| Spastische Fußfehlstellungen |
| Pes planovalgus |
| Pes cavus |
| Plantare fasciitis |
| Verkürzung der dorsalen Kette |
| Lumbalgien |
Komforteinlage
Viele Einlagen werden zur Komfort- und Leistungsverbesserung gekauft. Sportler oder auch Menschen die beruflich viel stehen müssen verwenden diese Produkte. Hierbei handelt es sich um keine verschreibungsfähige Leistung der gesetzlichen oder auch privaten Krankenkasse. Ziel dieser Einlagen ist die Entlastung der Haltemuskulatur der unteren Extremität, was ein entspannteres Stehen ermöglicht. Daher kann unter Komfortaspekten oder bei langen Trainingseinheiten eine solche Einlage durchaus sinnvoll sein, um die ermüdende Muskulatur zu entlasten. Neben Sportarten mit hoher Fußbelastung (z.B. Laufsport, Golf) profitiert die Haltemuskulatur gerade auch bei statischer Belastung (z.B. Skischuh, Eishockey) von einer abstützenden Einlagenversorgung. Untersuchungen haben beispielsweise gezeigt, dass sich das Gangmuster mit zunehmender Ermüdung beim Marathonlauf verändert und sich die Pronation verstärkt 2.
Grundsätzliche Wirkmechanismen von Einlagen
Je nach Einsatzbereich werden verschiedene Wirkmechanismen von Einlagen unterschieden. Dabei können die verschiedenen Wirkmechanismen durchaus parallel in einer Einlage verwirklicht werden (Baumgartner und Stinus 2001). Auch ist die Abgrenzung zwischen bettenden Einlagen, stützenden Einlagen, Korrektureinlagen und sensomotorischen Einlagen in der Praxis oft schwierig, da heute die verschiedenen Elemente in Kombination verwendet werden. Jede Einlage wirkt über eine Stimulation plantarer Neurorezeptoren sensomotorisch, sowie auch jede sensomotorische Einlage auch stabile, stützende Elemente umfasst.
Daher wird bei der Verordnung von Einlagen das gewünschte mechanische Wirkprinzip in den Vordergrund gestellt.
| Entlastung und Druckumverteilung |
| Abstützung und Sicherung der Stellung des Fußes |
| Korrektur von Fehlstellungen |
| Ruhigstellung von Strukturen und Gelenken |
| Beinlängenausgleich |
| Ausgleich von Fußfehlformen |
| Axiale Stoßdämpfung |
| Beeinflussung von proximalen Beschwerden des Bewegungsapparats |
Entlastung und Druckumverteilung
Ein wesentlicher Effekt von Einlagen ist die gezielte Entlastung von überlasteten Strukturen in der Stand- und Gangphase. Hierbei erfolgt eine Lastumverteilung auf Fußareale, welche eine Belastung besser tolerieren. Klassische Anwendungsgebiete für Entlastungseinlagen sind Metatarsalgien 3, die Atrophie des plantaren Fettpolsters 4 oder die Periostitis calacanei. Weiterhin wird eine lokale Druckentlastung angestrebt bei der Versorgung von diabetischen oder neuropathischen Fußdeformitäten 5, beim kontrakten Ballenhohlfuß 6 oder beim kontrakten Pes planovalgus 7.
Abstützen und Sicherung des Fußes in einer physiologischen Stellung
Bei Insuffizienz einzelner Strukturen kann durch Einlagen eine Abstützung des Fußes erreicht werden. Die häufigste Anwendung ist die Abstützung des Längsgewölbes beim Pes planovalgus, möglich ist aber auch eine Abstützung des lateralen Fußrandes sowie des Vorfußes 7. Eine laterale Abstützung, z.B. mit einer Außenranderhöhung von 2-4 mm entlastet die Peronealsehnen.
Korrektur
Flexible Fehlstellungen lassen sich durch Einlagen korrigieren. Die Fersenschale sorgt für eine achsgerechte Ausrichtung des Calcaneus, während eine weitere Abstützung am Sustentaculum tali erfolgt. Grenzen der Korrekturmöglichkeiten bestehen immer dann, wenn sich Fehlstellungen passiv am entlasteten Fuß nicht korrigieren lassen 8.
Ruhigstellung
Durch speziell eingearbeitete steife Elemente (Carbon, Stahl oder Aluminium) kann die Flexibilität der Einlage gezielt in bestimmten Bereichen reduziert oder vollständig aufgehoben werden. Ein typischer Anwendungsbereich ist die Arthrose des Großzehengrundgelenks (Hallux rigidus). Hier wird durch eine steife Unterfütterung des ersten Strahls die Dorsalextension in der Abrollphase reduziert und das Großzehengrundgelenk ruhiggestellt 9.
Beinlängenausgleich
Ein Beinlängenausgleich im Konfektionsschuh ist mit Einlagen bis zu einer Höhe von 1 cm möglich. Bei noch stärkerem Längenausgleich besteht die Gefahr, dass die Fersenkappe des Schuhs nicht mehr ausreichend die Ferse umschließt und der Patient beim Gehen aus dem Schuh schlupft.
Ausgleich von Fußfehlformen
Ein Ausgleich von Fußfehlformen ist mit Einlagen im Konfektionsschuh bis zu einer Länge von 2 cm möglich. Bei größeren Längendifferenz ist ein Ausgleich über Teilprothesen oder individuell gefertigte Silikonspacer günstiger. Auch nach Teilamputationen kann durch individuell gefertigte Einlagen die Fuß vom ausgeglichen werden.
Axiale Stoßdämpfung
Mithilfe von elastischen Materialien im Rückfußbereich können axiale Stöße beim Fersenauftritt gedämpft werden. Dieser Indikationsbereich betrifft vor allem degenerative Erkrankungen der unteren Extremität und des Rückens 10.
Beeinflussung von proximalen Beschwerden des Bewegungsapparats
Rückfußfehlstellungen können mit Beschwerden der Lendenwirbelsäule assoziiert sein. Ein Zusammenhang wird insbesondere für die Beckenkippung und die damit verbundene Hyperlordose postuliert. Entsprechend sind rückfußkorrigierende Einlagen ein therapeutischer Ansatz beim unspezifischen Rückenschmerz 11.
Eine aktuelle Arbeit konnte Effekte beim kindlichen idiopathischen Zehengang nachweisen 12. Auch spielen Einlagen in der Behandlung der infantilen Zentralparese eine wichtige Rolle. Hier konnte inzwischen der positive Effekt von Einlagen auf das Bewegungsmuster der unteren Extremität nachgewiesen werden 13.
Herstellung von Einlagen
Auch heute noch wird ein Großteil der Einlagen manuell gefertigt. Je nach vorliegender Pathologie kann teilweise auf einen industriell vorgefertigten Einlagenrohling zurückgegriffen werden. Es erfolgt dann eine individuelle Anpassung an den Fuß z.B. durch Abschleifen oder Aufbau gewisser Bezirke, Positionieren einer Pelotte, Supination- oder Pronationskeil, Fersenpolster etc.. Über CAD-Systeme können Einlagen heute auch auf der Basis von Fußabdruck und 3D Scans maschinell gefräst werden. Je nach zu behandelnder Pathologie werden von der Industrie verschiedene Einlagenrohlinge zur Verfügung gestellt.
Bei ausgeprägten Fußdeformitäten, bei welchen die Bearbeitung von Rohlingen nicht ausreicht bzw. in der oben beschriebenen Technik keine suffiziente Versorgung erreicht werden kann kommt eine Einlage als Sonderanfertigung zum Einsatz. Typische Beispiele sind Fehlstellungen bei diabetischer Neuroosteoarthropathie (DNOAP) oder Fußdeformitäten bei entzündlichen Gelenkerkrankungen. Dabei werden Einlagen bei schweren Fehlstellungen oft mit Schuhzurichtungen, teilweise auch mit Maßschuhen kombiniert.
Vor der Einlagenversorgung erfolgt eine Untersuchung des Fusses mit Diagnostik der zu Grunde liegenden Störung. Dabei werden das Maß – und Modellverfahren, die Materialkombination, sowie die funktionellen Eigenschaften der individuellen Einlagenversorgung festgelegt.
Besonderes Augenmerk ist dabei zu richten auf
- Plantare Verschwielungen
- Knöcherne Prominenzen
- Redressierbarkeit von Fehlstellungen
- Formabweichungen
- Sensibilität
- Durchblutung
- Ulzerationen
Maß- und Modellverfahren
Das Maßnehmen legt die Basis für die die orthopädietechnische Versorgung. Die hierbei gesammelten Informationen bestimmen maßgeblich die Form und technische Umsetzung. Bei diesem Prozessschritt ist große Sorgfalt wichtig, da sich Fehler unweigerlich auf das Endprodukt Einlage auswirken.
Als zweidimensionale Verfahren stehen die 2D Fußsscans und der Blauabdruck zur Verfügung. Beide Verfahren reduzieren die Fußform auf eine Ebene.
Auf Abbildung 11 ist erkennbar, welche Informationen aus dem Blauabdruck gewonnen werden können. Die elektronische Variante des Blauabdrucks ist der 2D Fußscan (Abb. 10 und 11). Dieser liefert ein digitales Foto des belasteten Fußes auf einer Glasscheibe. Das der Bilderstellung zu Grunde liegende Verfahren ist sehr ähnlich einem Büroscanner.
Als 3-dimensionale Abdruckverfahren kommen der Schaumabdruck, 3D Fußscans, sowie der Gipsabdruck zum Einsatz. Gerade letzterer hat trotz zunehmender Digitalisierung unverändert seine Berechtigung. Im Gegensatz zu einem 3D-Laserscan des Fußes kann bei der Abnahme eines Gipsabdrucks die korrigierende Formung bereits eingearbeitet werden. Der Techniker hält den Fuß in Händen und bekommt ein gutes Gefühl hinsichtlich der Redressierbarkeit von Fehlstellungen (Abb. 14). Unverändert kann mit vordergründig präziserer digitaler Technik diese Information nicht erfasst werden.
Bei der Pedobargraphie kann der plantare Druck sowohl statisch wie insbesondere auch dynamisch gemessen werden. Neben dem Spitzendruck in den jeweiligen Zonen des Fußes kann zusätzlich über die Kraft-Zeit-Kurve ein guter Eindruck hinsichtlich der mechanischen Beanspruchung der verschiedenen Fußareale beim Abrollvorgang gewonnen werden. Hinsichtlich Fußgröße und Form ist die Aussagekraft der Pedobarographie limitiert, so dass die Pedobarographie in Ergänzung zur Blauabdruck oder Schaumabdruck durchgeführt wird.
Mit Hilfe der Pedobarographie können zu stützende und zu bettende Fußbezirke noch genauer identifiziert und in das Endprodukt Einlage eingearbeitet werden. Darüber hinaus ist nach der Versorgung durch eine Messung im Schuh eine Überprüfung des Therapieerfolgs möglich. Dies betrifft insbesondere Patienten mit Neuropathie, da diese den Druck selbst nicht spüren können.
Materialien in der Einlagenherstellung
Um die verschiedenen mechanischen Effekte einer Einlage zu erreichen, bedarf es einer Kombination unterschiedlicher Materialien. Je nach Materialbeschaffenheit werden die Einlagentypen wie folgt unterteilt:
- Kork-Leder- oder Holz-Leder-Einlagen
- Kunststoff-Leder-Einlagen
- Weichschaumeinlagen in Sandwichtechnik
- Plexidureinlagen
- Giesharz-Carbonfaser-Einlagen
Tipps
- Eine zu weit distal gelegene mediale Abstützung ist eine häufige Ursache von schlecht vertragenen Einlagen.
- Der Fuß adaptiert sich über die Zeit an Einlagen. Es sollte einige Wochen nach Erstversorgung eine Kontrolle durchgeführt werden. Unter Umständen ist dann eine noch bessere Korrektur der Fehlstellung möglich, beispielsweise durch einen weiteren Aufbau der medialen Abstützung.
- Die Trennung von stützenden (klassischen) und propriozeptiv sensomotorischen Einlagen ist akademisch. Jede Einlage hat einen Einfluss auf das sensomotorische System. Die Übergänge zwischen den beiden Einlagentypen sind fließend und die Komponenten können durchaus kombiniert werden.
- Sensomotorische Einlagen setzen weitgehen intakte anatomische Strukturen voraus. Je ausgeprägter der strukturelle Schaden, desto weniger Möglichkeiten ergeben sich aus dem Einsatz von sensomotorischen Einlagen.
- Die Pelotte sollte proximal der Metatarsaleköpfchen liegen. Eine Fehlpositionierung distal kann zu erheblichen Beschwerden führen und erhöht die Druckbelastung unter den Metatarsaleköpfchen 2 und 3.
- Einlagen sind ein sehr weites Feld. Daher ist die Aussage eines Patienten „Einlagen wurden schon versucht und haben nichts geholfen“ stets zu hinterfragen. Möglicherweise wurde nur die falsche Einlage für die vorhandene Pathologie gewählt.
Behandlung verschiedener Krankheitsbilder durch Einlagen
Ballenhohlfuß (Pes cavus)
Der Pes cavus ist charakterisiert durch ein hohes Längsgewölbe in Verbindung mit einer Supinationsstellung des Rückfußes. Die Häufigkeit in der Bevölkerung wird mit circa 10 % angegeben, wobei dies die milderen Formen mit einschließt. Neben angeborenen Fehlstellungen sind neuromuskuläre Erkrankungen (z.B. Charcot-Marie-Tooth) die häufigsten Ursachen. Circa 60 % der Patienten mit einem Pes cavus entwickeln im Laufe ihres Lebens Fußbeschwerden.
Typische Beschwerden beim Hohlfuß sind:
- Metatarsalgie
- Sesamoiditis
- Plantare Fasciitis
- Degenerative Erkrankungen der Peronealsehnen
- Laterale Instabilität
Die Beschwerden sind unter anderem Folge des gestörten Abrollverhaltens, wobei bei Kindern zunächst die Fußfehlform und ggf. ein vermehrtes Umknicken dominieren. Fußschmerzen werden von Kindern bei Pes cavus selten beklagt. Schmerzen entwickeln sich dann im Rahmen der Adoleszenz mit zunehmendem Körpergewicht oder im mittleren Lebensalter wenn aufgrund der Fehlstellung degenerative Gelenkveränderungen auftreten.
Durch eine schuhbodenadaptierte Anpassung der Einlagenunterseite kann das Abrollen erleichtert werden. In einem Review der Cochrane Collaboration mit Einschluss von 154 Patienten in mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass mit Einlagen eine Schmerzreduktion von ca. 75% möglich war 14. Der Effekt der Einlagen bestand im Wesentlichen aus einer Druckumverteilung unter Entlastung der schmerzhaften lateralen Strukturen. Zur Verbesserung des Lotaufbaus und Reduktion der nach lateral wirkenden Vektorkräfte kann eine Außenranderhöhung von bis zu 4 mm eine deutlich Verbesserung bewirken.
Mögliche Komponenten der Einlage beim Pes cavus
- Fersenfassung
- Außenranderhöhung (max. 4 mm)
- Weichbettung des Vorfußes
- Tieferlegung des 1. Strahls
- Hohllegung der Plantarfaszie
Knick-Senk-Fuß (Pes planovalgus)
Bei der Behandlung des Pes planovalgus ist grundsätzlich der kindliche Plattfuß von der Tibialis posterior-Dysfunktion des Erwachsenen zu unterscheiden. Füße im Kindesalter sind "platter" als erwachsene Füße. Dies ist einerseits bedingt durch das plantare Fettpolster, welches bei Kindern dicker ist als bei Erwachsenen, anderseits bedingt durch die noch in Entwicklung begriffene muskuläre Stabilisierung, die erst mit der Pubertät ihre definitive Kraft erreicht. Eine Behandlungsindikation besteht nur beim symptomatischen Plattfuß oder bei knöchernen Deformitäten 15. In den anderen Fällen sollte der Befund nur regelmäßig kontrolliert werden, um bei einer Verschlechterung gegebenenfalls rechtzeitig einzugreifen.
Hiervon abzugrenzen ist der Pes planovalgus beim Erwachsenen. Hier handelt es sich in den meisten Fällen um eine Erkrankung der Tibialis posterior-Sehne. Eine konservative Behandlung hat hier nur in den frühen Stadien (Stadium 1 oder 2A nach Johnson et al. 16) Erfolg. Die Behandlung durch medial abstützende und die Ferse fassende Einlagen sollte ergänzt werden durch ein physiotherapeutisches Trainingsprogramm 1718.
Ein kürzlich publizierter systematischer Literaturreview konnte beim flexiblen Pes planovalgus des Erwachsenen eine gute bis moderate Evidenz für eine Einlagenversorgung im Hinblick auf Fußfunktion und Energieeffizienz des Gehens feststellen 19. In einer weiteren aktuellen Arbeit konnte anhand aufwendiger elektrophysiologischer Messungen der Effekt von Einlagen auf die Beinmuskulatur beim flexiblen Plattfuß des Erwachsenen gezeigt werden 20.
Mögliche Komponenten der Einlagenversorgung beim Pes planovalgus
- Fersenfassung
- Mediale Abstützung
- Unterfütterung des 1. Strahls
- Propriozeptive Stimulation des M. tibialis posterior
- Zehenwulst zur Detonisierung des M. trizeps surae
Spreizfuß mit und ohne Vorfußdeformität
Der erhöhte Druck unter den Mittelfußköpfchen ist ein zentrales Problem des Spreizfußes. Eine Spreizfußdeformität kann isoliert auftreten oder mit Fehlstellungen der Zehen vergesellschaftet sein. Typische Befunde bei einer Spreizfußdeformität sind der Hallux valgus oder Krallenzehen. Die Arbeitsgruppe um Kang et al. 21 konnte zeigen, dass durch eine Einlagenversorgung der Spitzendruck unter den Mittelfußköpfchen signifikant reduziert werden kann. Diese Druckentlastung war korreliert mit einer deutlichen Verbesserung des Schmerzscores. Aufgrund der Häufigkeit der Spreizfußdeformität in der Bevölkerung kommt in dieser Anwendung von Einlagen eine besondere Bedeutung zu. Epidemiologische Untersuchungen zeigen aber auch, dass es erhebliche Unterschiede in den Einlagenkonzepten gibt, was eine Einordnung nach den Kriterien der Evidenz basierten Medizin schwierig macht 22.
In der aktuellen Literatur wird die Rolle einer Pelotte kontrovers diskutiert. Während einige Autoren aufgrund der stabilen Aufhängung des Metatarsale II den anhebenden Effekt einer Pelotte kritisch sehen, konnten Lee et al. 23 eine signifikante Druckentlastung unter dem Vorfuß durch eine Pelotte nachweisen. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass der Lage der Pelotte eine entscheidende Rolle zukommt, die Form der Pelotte dagegen zweitrangig erscheint. Auch die Arbeit von Greitemann et al. (2012) hat den Effekt einer Pelotte in einem prospektiven Studiendesign nachweisen können. Bei der Einlagenversorgung im Kindesalter kommt der Pelotte keine Rolle zu.
Mögliche Komponenten der Einlagenversorgung beim Spreitzfuß
- Vorfußweichbettung
- Rückfussfassung mit Stabilisierung des Längsgewölbes
- Pelotte
- Stufe
- Schmetterlingsrolle zur gezielten Entlastung von Metatarsale II und III
Rückenschmerzen
Rückfußfehlstellungen können mit Beschwerden der Lendenwirbelsäule assoziiert sein. Ein Zusammenhang wird insbesondere für die Beckenkippung und die damit verbundene Hyperlordose postuliert 24. 2009 wurde in einem Cochrane Review von Sahar et al. 25, aufgrund der limitierten Datenlage, der Einsatz von Einlagen bei chronischen Rückenbeschwerden nicht befürwortet. In einer aktuellen Arbeit konnten Kendall et al. (2014) 26 nun erstmalig zeigen, dass durch Einlagen die Aktivität der pelvinen und lumbalen Muskulatur beeinflusst werden kann, was sich mit der klinischen Erfahrung vieler Therapeuten deckt 11. Entsprechend haben rückfußkorrigierende Einlagen ihre therapeutische Berechtigung beim unspezifischen Rückenschmerz.
Mögliche Komponenten einer Einlage bei Lumbalgie
- Rückfusskorrektur durch Fersenfassung
- Weichbettung des Rückfusses zur Stoßentlastung des Fersenauftritts.
- Zehenwulst zur Detonisierung des M. trizeps surae
Plantare fasciitis
Die plantare Fasziitis ist eine Erkrankung des Übergangs der plantaren Faszie zum Fersenbeinknochen 27. Verursacht wird die Erkrankung durch einen Elastizitätsverlust der plantaren Faszie im Verlauf des Lebens, die zu einer mechanischen Überlastung der Faszienstruktur im Übergangsbereich zum Knochen führt 28. Bei Pes planovalgus, als auch bei Pes cavus ist das Risiko die Erkrankung zu entwickeln erhöht 29. Dehnungsübungen, Kälteanwendungen, nichtsteroidale Antiphlogistika und die Verwendung von Einlagen gelten als etablierte Verfahren die Fußfunktion zu verbessern und die Schmerzen zu reduzieren 3031. Die mechanische Wirksamkeit beruht auf einer Reduktion der Zugbelastung in der plantaren Faszie 3233 und auf einer Reduktion der Druckmaxima beim Fersenauftritt 34. In der traditionellen Orthopädietechnik werden diese Einlagen auf der Basis eines Gipsabdruckes gefertigt.
Komponenten einer Einlage zur Behandlung der plantaren Fasciitis
- Rückfußfassung
- mediale Abstützung
- Hohllegung der plantaren Faszie über die gesamte Länge
Verordnung einer Einlage
Einlagen müssen als ärztlichen Therapeutikum korrekt rezeptiert werden . Hierzu sind folgende Angaben zwingend auf dem Rezept erforderlich:
- Anzahl (1 Paar Einlagen)
- Maß- und Modellverfahren (z.B. nach Maß und Gips, nach Schaumabdruck)
- Materialkombination (z.B. Kork-Leder-Technik, Kunststoff, Sandwich Bauweise)
- Diagnose (z.B. Knick-Senkfuß, Metatarsalgie, Diabetisches Fußsyndrom)
Fakultative Inhalte sind:
- Zielvorgabe, z.B.
- zur Bettung der Mittelfußköpfchen 2+3
- zur Aufrichtung des Rückfusses
- zur Stabilisierung und Abstützung des Längsgewölbes
- Angaben zur technischen Umsetzung, z.B.
- Mit Fersenfassung
- Mediale Abstüztung
- Fassung des Fußaußenrandes
- Pelotte
- Ohne Pelotte
- Hohllegung der Plantarfaszie über die gesamte Länge
- Begründung bei Spezialanfertigungen
- Begründung bei Verordnung außerhalb des Regelfalls, z.B.:
- Ersatzversorgung bei starkem Verschleiß
- Wechselversorgung
- Neuversorgung bei Änderung der Fußform
- Neuversorgung bei Wachstum
Beurteilung einer Einlagenversorgung (Hilfsmittelabnahme)
Es ist die originäre Aufgabe des Arztes eine orthopädietechnische Versorgung zu kontrollieren (Hilfsmittelkontrolle, Hilfsmittelabnahme). Es muss gesichert sein, das die Einlagen in Form und Funktion korrekt gefertigt ist. Hierzu ist beispielhaft folgende Checkliste zu kontrollieren:
- Sitz und Passform
- Genügend Zehenzugabe
- „Komfortgefühl“
- Sichtbare Druckstellen am Fuß
- Schweißspur bei getragener Einlage
- Abnutzung am Schuh
Datum der Veröffentlichung: 12.10.2015
Weitere Literatur
- Baumgartner R, Stinus H: Die orthopädietechnische Versorgung des Fußes, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2001.
- Bernius P: Sensomotorische Einlagenversorgung - was ist daran neu, was ist alt bekannt? Fuß und Sprunggelenk (2010) 8:16-27.
- Baumgartner R, Möller M, Stinus H: Orthopädieschuhtechnik, Maurer, Geislingen, 2011.
- Greitemann B, Niemeyer C, Sprekelmeyer T, Eger T, Ulrich M: Wirken Einlagen bei der Metatarsalagie? – Eine randomisierte Kontrollgruppenstudie. Fuß und Sprunggelenk, 2012; 10:257-264.
- Stinus H: Die orthopädietechnische Versorgung des Fußes, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2001.